Dieses Thema geht mir in der letzten Zeit nicht mehr aus dem Kopf… ich habe in meiner Favoritensammlung einen Ordner namens “private Seiten/Blogs” mit gut dreißig darin gespeicherten Seiten – und irgendwie sehen doch alle gleich aus.
langweilig?
Mehr oder weniger regelmäßige Blogeinträge, darunter jeweils das obligatorische Kästchen mit den Meta-Daten (Kategorie: …, Datum: …, Tags: …, Autor: …, x Kommentare); die Sidebar mit dem RSS-Icon, der Auflistung der einzelnen Kategorien sowie der statischen Seiten, und dazu dann noch ein paar Features, die Standard geworden zu sein scheinen: die unvermeidliche Tagcloud, ein Kalender, die letzten x Kommentare, …
Eben das, was ein Blogsystem wie etwa WordPress ermöglicht.
Oft findet man sogar das gleiche oder nur geringfügig abgewandelte Layout auf mehreren Seiten vor – auch wieder ein Verdienst der Blogsysteme mit ihren frei verfügbaren Themes.
Und auch die Webstandards haben sich mittlerweile größtenteils durchgesetzt – Browserkompatibilität und Barrierefreiheit sind längst keine exotischen Geekbegriffe mehr, und auch das Thema Suchmaschinenoptimierung wird immer verbreiteter.
Vorbei also die Zeiten von PopUp-Layouts und kleinen (I)Frames (nicht barrierefrei, unflexibel, für Robots ungeeignet, …) von Enterseiten (zu wenig Content) und Navigationen, deren Links in einem Bild versteckt sind (Usability!)…
die Vorteile…
Keine Frage – die Einhaltung von Webstandards ist wichtig, und Blogsysteme sind nun mal verdammt praktisch.
WordPress & Konsorten ermöglichen es unzähligen Menschen, sich der Welt mitzuteilen und zu Blog-Autoren zu werden, ohne dass sie sich erst umständlich in HTML, CSS und PHP einarbeiten müssten. Wer sich an all die mehr schlecht als recht zusammengeschusterten Seiten aus FrontPage erinnert, deren teilweise wirklich interessanten Content man aufgrund akuter Augenkrebsgefahr einfach nicht weiterlesen wollte, der weiß die Vorteile von frei downloadbaren WordPress-Themes zu schätzen…
Man bloggt, um gelesen zu werden – wäre es anders, könnte man ja schließlich auch das gute alte Tagebuch aus der Schublade hervorkramen. So liegt es natürlich auf der Hand, dass Tante Google möglichst oft vorbeikommen und die Seite gut ranken soll.
Und sicher ist es dem ein oder anderen Web 2.0-gewöhnten User schon einmal passiert, dass er auf einer Webseite einen interessanten Artikel gelesen hat und es dann bedauerte, keine Kommentarfunktion vorzufinden.
Vieles hat sich im Laufe der vergangenen Jahre einfach als praktisch herausgestellt und ist somit quasi zum Standard geworden – etwa ebendiese Kommentarfunktion oder auch die bequeme Verwaltung der Inhalte über das Dashboard.
aber…
Und doch vermisse ich irgendwie die Zeiten, in denen eine Webseite komplett im Editor entstand und ohne Backend daherkam. Als man wirklich Seite für Seite anlegte, die Umlaute via Entities in den Text frickelte und nicht einfach nur ein einziges Template für sämtliche statischen Seiten entwarf. Ich glaube, das macht wirklich einen Unterschied.
Die Zeiten, in denen manche Seiten eben nur einen schmalen Bereich für den Content aufwiesen und 2/3 des Bildschirms nicht ausgefüllt waren. In denen es PopUp-Layouts mit kleinen Iframes gab, die so ganz anders ausfielen als die heute üblichen Endless Layouts.
Hmm. Ich selber bin da ja auch nicht anders, wenn ich mir meine private Seite eden-existiert.de, mein Gothic-Magazin blacklive.de oder eben auch hier neontrauma.de ansehe. Und genau das geht mir in den letzten Wochen so auf die Nerven, dass ich überlege, wie man die Vorteile eines Blogsystems mit den Webstandards vereinen kann und die Seite trotzdem nicht 08/15 ausschaut.
Allem voran steht da für mich die Frage nach der Usability: eine Seite wie neontrauma.de oder wie blacklive.de ist nun mal klar für den Leser gemacht. Da geht es nicht um Selbstdarstellung, sondern darum, dem User etwas darzubieten. Von daher steht hier die Usability, die Userfreundlichkeit, klar im Vordergrund. Informationen müssen möglichst leicht zugänglich sein, die Navigation innerhalb der Seite sollte intuitiv ablaufen und um eine möglichst große Leserschaft zu erreichen, ist Suchmaschinenoptimierung unabdingbar.
Anders verhält es sich, denke ich, mit privaten Seiten. Eine Webseite, die der Selbstdarstellung dient, sollte doch so indivuell wie möglich ausfallen – und hier sollte man sehen, inwieweit man einen Kompromiss zwischen SEO und Ego eingeht. Nehmen wir als Beispiel die Enterseiten: vor einigen Jahren zählten sie quasi zum Standardumfang einer Webseite, heutzutage sind sie fast vollständig verschwunden. Klar, die Robots finden auf ihr nur sehr wenig Content vor…
Dabei finde ich, dass eine gut gestaltete Enterseite den User angenehm auf die eigentliche Webseite einstimmen kann, neugierig machen kann, viel Freiraum für ästhetisches Design-Austoben bietet… und ja, ich habe mir überlegt, beim nächsten Layout von eden-existiert.de so etwas wieder mit aufzunehmen.
Wie seht ihr diese Entwicklung in der Webdesign-Szene?
Begrüßt ihr die Standardisierung oder sucht ihr eher nach Alternativen?

Pingback: Blogsysteme, Webstandards und die Individualität | neontrauma.de … | Webdesign Köln
Ich versteh dich^^
Bevor ich meine Homepage in diesem Sommer auf WordPress umgestellt habe, habe ich auch noch jede Seite von Hand erstellt. Das einzige, was automatisch lief, war das bloggen über Cutenews, welches man jetzt ja auch immer seltener sieht. So ziemlich jeder Blog, der nicht bei myblog ist, läuft heute mit WordPress und – da hast du recht – sieht mehr oder weniger gleich aus.
So gings mir bei meiner Homepage auch. Das erste Layout hatte eine sehr umfangreiche Navigation mit Kategorien, den Seiten, aber auch 100 Plugins wie z.B. die fleißigsten Kommentierer. Davon hab ich mich im neuen layout gelöst. Die Kategorien sind der Tagcloud nachempfunden und sonst gibt es nur noch die Seiten und die letzten 5 gehörten Lieder. Auch mit dem Gesamtaufbau des Layouts hab ich mich ein wenig von der Masse abgesetzt, wenn man das so sagen kann: der Header ist nicht oben, sondern an der Seite.
Die Webdesign Entwicklung scheint zwar ganz schön zu sein, jedoch bekommt man immer mehr das Gefühl, dass alles irgendwie ja doch gleich aussieht und der Inhalt unterscheidet sich da öfters auch nicht mehr von den anderen.
Glücklicherweise gibt es Blogsysteme wie WP, die es einfach machen eine Seite im Netz zu betreiben, aber leider ging damit auch die Individualität verloren. Ich selbst muss feststellen, dass mein jetziges Layout – welches immerhin selbst erstellt ist – genau diesem typischen WP Schema entspricht: Einteilung in Kategorien und Seiten, Tagcloud, Letzten Kommentare, Letzte Artikel und so weiter. Grundweg bin ich mittlerweile auch kein Freund mehr davon. Ich möchte weiterhin mit WP arbeiten, da es gewisse unverzichtbare Leistungen bringt wie Kommentarfunktion und einige Plugins. Somit muss ich nicht gleich ein Webentwickler sein um den ganzen Komfort des Web2.0 zu erfahren. Allerdings (und da bin ich gerade dabei) möchte ich mein neues Layout so gut wie möglich individuell gestalten und jedenfalls versuchen dem ganzen einen Hauch von statisch und nicht-wordpress-seite zu geben.
Wie du aber bereits schon sagtest, ist das ganze Aufbau von einem wichtigen Kriterium abhängig – dem Inhalt. Der Inhalt verrät an wen die Seite gerichtet ist und dementsprechend sollte auch dann die Seite konstruiert werden. Du hast vollkommen recht zu sagen, dass ein persönlicher Blog nicht mit einem Webauftritt mit einem spezifischem Thema gleich zu setzen ist. Das enstpricht aber auch dem Leser. Jemand der in einem persönliche Blog ließt bevorzugt auch in gewisser Weise diese Individualität und möchte auch etwas “entdecken” können. Der Leser des spezifischen Blogs weiß wiederum genau, dass das Suchfeld oben rechts ist usw. …
Allem im allen bin ich wohl eher auf der Suche nach der Alternative. Es gibt (zu) viele Blogs in Web und da sucht man nunmal nicht mehr nach dem altbekannten, was man auf zig anderen Seiten gesehen hat, sondern genau nach dem was in irgendeiner Weise besonders ist, sei es durch den Inhalt, das Design oder beides!
Fabian
Nun, das gleiche Problem hatte ich neulich auch. Es ist aber durchaus lösbar. Man muss nur ein paar Stunden mehr in die Suche nach einem geeigneten WordPress Layout investieren, dass dann etwas anpassen und schon reduziert sich die Absprungrate um 50%, wie ich seit meinem Redesign vom buildblog seit ein paar Tagen erfolgreich feststelle. 0815 sieht es auch nicht aus. Jedenfalls dann nicht, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt.
Und um nochmal die Alternativen in Betracht zu ziehen: Wer hat denn heute noch Wochenlang Zeit an seinem Layout zu basteln? Mehr als ein paar Bugfixes sind da nicht wirklich drin. Zumal allein das schon vom Wesentlichen (sinnvollen Content erzeugen) ablenkt. Und ein Layout in Auftrag zu geben, wird den meisten wohl eher zu teuer sein.
Ich glaube, diesen “Einheitsbrei” gibt es bei allen Blogsystemen/CMS bei denen freie Templates angeboten werden…
Aber mal ehrlich, wünschst Du Dir wirklich die Zeit zurück, in der Du statische Seiten von Hand anlegen musst?! Bei z.B. 200+ Seiten muss plötzlich ein Navigationspunkt raus, alle Seiten durchasseln und entfernen… dann passieren dabei Fehler, alle Seiten wieder einzeln hochladen und prüfen… – argh -
Da lobe ich mir ein richtiges CMS wie z.B. TYPO3. Da bekommt jedes Projekt eigene Templates verpasst, die alle in einem Editor entstehen und wirklich NUR HTML enthalten. Dann noch ein individuelles TypoScript, um das Template mit dem CMS zu verdrahten und los gehts… eine individuelle Seite, erstellt in einem Editor und mit vollem Backendkomfort :-)
Ich denke, es kommt auch darauf an, was man mit seiner Website erreichen will. Wenn jemand wirklich nur bloggen möchte, Photos ausstellen oder sonst irgendetwas in der Richtung, muss er sich ja nicht zwangsläufig mit HTML, PHP und Co. auskennen. Und Hathead hat schon recht, je älter man wird, desto weniger Zeit bleibt neben Schule, Ausbildung, Studium etc., um sich wirklich Mühe mit dem Layout zu geben und auch alle Seiten von Hand zu scripten.
Auf der anderen Seite finde ich allerdings nicht, dass Systeme wie WordPress überhaupt keinen Spielraum mehr für Individualität lassen. Wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt und das nötige Know-how in Sachen Programmieren hat, kann man damit genauso “verrückte” Layouts erstellen für früher mit IFrames und Tabellen! Ich sehe das Problem eher darin, dass die meisten Leute einen Blog haben wollen um des Blog willens, weil sie irgendwo eine tolle, beliebte Seite gefunden haben und sich denken “Wow, sowas will ich auch!”. Eigene Ideen spielen dabei wohl weniger eine Rolle.
also enterseiten vermisse ich jetzt nicht, die habe ich immer schon gehasst, aber ich verstehe voll was du meinst.
mit dem ganzen wissen um seo & co. ist irgendwie die “coding-technische unbeschwertheit” verloren gegangen.
Hej,
so viele Reaktionen! :-)
@ Tim:
mh, nein, die ganze Arbeit mit den statischen Inhalten von damals vermisse ich nun nicht – die Zeit kann man viel besser investieren, etwa in den Content… aber was Yvi sagte, trifft es wunderbar: *find*
mit dem ganzen wissen um seo & co. ist irgendwie die “coding-technische unbeschwertheit” verloren gegangen.
Mh…
Sehr toller Artikel! Ich sehe und verstehe genau, was du meinst :)
So bewandert bin ich nicht, was das kompatible (Robots!) Zeug an geht *g* … meine Seiten sind ja alle privat – und ich habe neuerdings wirklich wieder eine Eintrittsseite, auf die ich auch stolz bin.
Ich finde aber, dass mit WordPress durch aus individuelle Layouts möglich sind – man muss ja nicht alle Funktionen nützen. Es ist dann einfach mit mehr Zeit verbunden.
Wordpress ist mächtig (und man merkt es daran, dass immer mehr Leute es verwenden!) und auch sehr sehr benutzerfreundlich, finde ich.
Doch du hast recht – eine komplett selbst geschriebene Seite hat einen ganz anderen Charakter … .
Danke für diesen Artikel :)
“…Webseite komplett im Editor entstand”
Ja, das waren noch Zeiten, da wäre man als Blogger echt arm dran gewesen. Wenn ich mich nicht irre, hab ich für meine erste Seite im www fas zwei Wochen gebraucht, bis diese einigermaßen funktionstüchtig war – im Jahre 1998 ;)
Heute kommt es doch vielmehr auf den Inhalt der Seite oder das Blog’s an und nicht immer auf Funktion und Design.
Schön, deinen Blog gefunden zu haben – “Frau Nachbarin” ;)